Das Problem-Problem: Sprachgrenzen in Beziehungen

Wenn es auf der Arbeit ein Problem gibt, klärt man das mit der Chefin oder den Kollegen. Auch unter Freunden findet man für Dinge, die schief gelaufen sind, meistens eine Lösung. Man setzt sich zusammen, sagt ein paar nette, aber klare Worte, redet darüber. Das passt schon und wird schon, denkt man dann. Und das tut es auch. Meistens zumindest. Doch so zuversichtlich, aufgeräumt und souverän klappt das in der Liebe nur selten. Ausgerechnet bei dem Menschen, dem man am nächsten steht, den man am besten kennt und mit dem man Tisch, Bett, Auto, Couch und Kinder teilt, können viele überhaupt nicht über Probleme sprechen. Drückt der Schuh, wird gedruckst, geschwiegen, geschluckt und ausgewichen – solange bis die Zehen blau sind. Und nicht nur der Fuß, sondern auch die Seele leidet. Und die Beziehung sowieso.
Etwa jede zweite Partnerschaft in Deutschland hat Kommunikationsprobleme. Jeder kennt die verfahrenen Situationen, zum Beispiel abends im Bett, wenn eine links und einer rechts in die Matratze murmelt, oder im Auto, wenn sich aus einem harmlosen Gespräch ein handfester Streit ergibt und die Fahrt in den Urlaub zum Höllenritt wird. Was passiert da eigentlich? Und warum überhaupt?
Das Projekt Theratalk am Institut für Psychologie der Universität Göttingen hat das „Problem-Problem“ bei einer aktuellen Studie genauer unter die Lupe genommen. „Wir haben über 18.000 Männer und Frauen, die in ihrer Partnerschaft Kommunikationsprobleme haben, befragt“, sagt Ragnar Beer, Diplom-Psychologe und Leiter des Partnerschaftsprojekts. Das erschreckende Ergebnis: Die Vermeidung von Problemgesprächen ist sehr weit verbreitet. Bei rund 82 Prozent der befragten Männer und Frauen kommt es gar nicht erst zur Diskussion – die wichtigen Gespräche über all die kleinen und großen Dinge, die stören, die behindern oder belasten, werden einfach ausgeblendet. Variationen gibt es viele, Beer nennt Beispiele: „Manche ignorieren Probleme einfach, andere versuchen sie alleine zu lösen oder reden nur mit ihrer besten Freundin darüber, wieder andere sitzen das aus oder hoffen, dass der Partner von alleine etwas ändert.“ Die Perspektive ist bei allen Vermeidungsstrategien mehr oder weniger gleich schlecht: „Die Erfahrung zeigt, dass irgendwann in jeder Beziehung das Fass einfach überläuft.“
Der eine will reden, der andere stellt sich quer, blockt ab oder hört gar nicht richtig zu. Viele können dem wohl zustimmen: „Typisch Mann, so ein Exemplar kenne ich auch!“ Tatsächlich sind es häufiger Männer, die schweigen. Rund 65 Prozent der Frauen gaben an, mit ihren Problemen beim Partner regelmäßig vor eine Mauer zu laufen. Beer reicht den schwarzen Peter weiter: „Auch Frauen können prima abblocken, wie 42 Prozent der befragten Männer bestätigten, die ebenso regelmäßig vergeblich versuchen, Dinge mit ihrer Partnerin zu klären.“
Wer reden will und wer nicht, ist natürlich auch immer abhängig vom Thema. Frauen fällt es in der Regel leichter, gefühlsbezogene Probleme anzusprechen, während Männer weniger dabei zögern, sachbezogene Themen zu erörtern, auf die die Partnerin dann aber keine Lust hat. Häufig wechselt das erfolglose Kommunizieren innerhalb der Partnerschaften auch hin und her: Mal will sie reden und er nicht. Dann will er, aber sie nicht. Schlimm wird es, wenn ein Teufelskreis aus Verfolger und Verfolgtem entsteht, so der Psychologe: „Es werden Diskussionen begonnen, aber dann zieht sich ein Partner immer weiter raus, während der andere immer heftiger versucht, die Diskussion in Gang zu halten.“

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Erziehung: “Die Wortschwallpädagogik vieler Eltern überfordert Kinder!”

Im Interview: Jan-Uwe Rogge

Kommunikation ist keine einfache Angelegenheit, besonders zwischen Eltern und Kindern. Jan Uwe Rogge, Deutschlands gefragtester Erziehungsexperte, kennt die Probleme. In seinem neuen Buch “Wie Sie reden, damit Ihr Kind zuhört & wie Sie zuhören, damit Ihr Kind redet” zeigt er humorvoll auf, wie Botschaften der Eltern beim Kind ankommen, wie man Regeln erfolgreich kommuniziert und Absprachen trifft. Bettina Levecke hat mit Jan-Uwe-Rogge über typische Eltern-Kind-Probleme gesprochen.

Bettina Levecke: Ob Hausaufgaben machen, Zimmer aufräumen, Müll rausbringen: In den meisten Familien hängt regelmäßig der Haussegen schief, weil Kinder sich nicht an die Absprachen halten. Was läuft da falsch?

Jan-Uwe Rogge: Wenn es immer wieder um die gleichen Themen geht, müssen Eltern einen genauen Blick auf die familiäre Situation werfen und schauen, warum die Kinder sich so verhalten. Manchmal ist es schlicht ein Sachproblem, z.B. wenn das Kind mit der Aufgabe überfordert ist. Dann gilt es, die Absprache neu auszuloten. Manchmal steckt aber auch ein Beziehungsproblem dahinter. Wenn zum Beispiel klar ist, dass das Kind nur Grenzen austesten will oder Machtkämpfe ausführt, sollten Eltern sich fragen: Wozu macht mein Kind das? Was will es damit bei uns erreichen?

Das heißt, dass die Eltern was falsch gemacht haben?

Jan-Uwe Rogge: Es geht nicht darum, wer etwas falsch macht. Es ist ja ganz normal, dass es in Familien immer wieder zu kommunikativen Verstrickungen und Missverständnissen kommt. Wichtig ist eben, darauf immer wieder sorgsam und verständnisvoll zu reagieren. Es bringt nichts, ständig über das Fehlverhalten der Kinder zu diskutieren, zu schimpfen oder ihnen gar zu drohen. Viel sinnvoller und hilfreicher ist es, direkt nachzufragen, das Gespräch mit dem Kind zu suchen.

Manchmal hat man als Vater oder Mutter aber das Gefühl, eine Sprache zu sprechen, die das Kind gar nicht versteht.

Das alte Problem: Die Eltern senden auf Mittelwelle, während die Kinder nur UKW empfangen. Da bleiben Missverständnisse nicht aus. Deshalb gilt es, so mit den Kindern zu sprechen, dass sie genau wissen, was die Eltern wollen. Oft sind Eltern einfach viel zu unklar in ihren Botschaften. Mimik und Gestik, der Klang der Stimme und der Inhalt müssen unbedingt zusammenpassen. Es muss deutlich und klar gesagt werden, was gemeint ist.

Können Sie ein Beispiel geben?

Wer zum Beispiel Aufgaben in Bitten verkleidet, muss sich nicht wundern, wenn anschließend nichts passiert. Die Frage der Mutter “Räumst du bitte dein Zimmer auf?” kann mit Ja oder Nein beantwortet werden, während die freundliche,…..
Sie wollen gerne mehr lesen?
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Zu große Erwartungen - viele magersüchtige Mädchen wollen nicht erwachsen werden

Von Bettina Levecke

Marie schlittert direkt in die Magersucht, verliert 15 Kilo in 15 Wochen und steckt bereits Ostern das erste Mal in einer Klinik. Aber nicht nur das: Auch ihre Zwillingsschwester Anna wird immer dünner, zieht gleich mit der Schwester. Zwillinge! Und beide magersüchtig! Ihre Mutter muss hilflos mit ansehen, wie beide Töchter immer weiter an Gewicht verlieren, sich von Freunden und Familie distanzieren und sich abwechselnd die Klinken der Kliniken in die Hand geben.
Irgendwo muss die ganze Panik hin. Caroline Wendt schreibt Tagebuch über die schwerste Zeit ihres Lebens und versucht Schritt für Schritt, die Mechanismen der Sucht zu verstehen. „Warum ausgerechnet meinen Mädchen das passieren musste, kann ich bis heute nicht genau erklären“, sagt Wendt, deren persönlicher Bericht gerade im Knaur-Verlag als Sachbuch erschienen ist (siehe Buchtipps). Jahrelang lastete auf ihren Schultern ein bedrückendes Gemisch aus nackter Angst, unendlicher Schuld und absoluter Ohnmacht. „Die Magersucht ist ein sehr komplexes und extrem widerspenstiges Monster.“

Immer mehr Teenager betroffen
Die Geschichte von Anna und Marie ist eine von vielen. Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin sind bedrückend: Fast jedes dritte Mädchen im Alter zwischen elf und 17 Jahren zeigt Hinweise auf eine Essstörung, auch jeder zehnte Junge ist mittlerweile betroffen. Problematisches Essverhalten kann sich in vielen verschiedenen Formen und Facetten zeigen: Manche Teenager hungern diszipliniert, andere stopfen wahllos in sich hinein, erbrechen heimlich oder treiben nach dem Essen exzessiv Sport. Melanie Rottmann, Diplom-Sozialpädagogin bei der Hilfeeinrichtung sMUTje (Starthilfe für mutige Jugendliche mit Essstörungen) in Hamburg, hat in vielen Beratungsgesprächen vor allem eine Ursache immer wieder bestätigt gefunden: „Die Jugendlichen fühlen sich heute einem extrem hohen Druck ausgesetzt und haben das Gefühl, diesen ganzen diffusen gesellschaftlichen Erwartungen gar nicht wirklich gerecht werden zu können.“

FRAU + MUTTER

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Unsere Nase, ein Mysterium

Wie die Welt des Riechens funktioniert, ist bisher kaum entschlüsselt. Lesen Sie, was unsere Nase mit einem Cocktailshaker gemeinsam hat. // Von Bettina Levecke

Manche Gerüche haben die Kraft, uns spontan auf eine Erinnerungsreise zu schicken. Der Duft frisch gekochter Marmelade beispielsweise zurück an den Rockzipfel der Großmutter. Der muffige Geruch feuchten Teppichbodens hingegen in das erste, heiß geliebte eigene Auto. Auch wenn wir alle die gleichen Duftstoffe einatmen, ist die Interpretation ganz individuell. Der eine fühlt sich bei dem Geruch einer frisch gemähten Wiese in die fröhliche Zeit der Jugend zurückversetzt und atmet extra tief ein. Der andere bekommt sofort Kopfschmerz in Erinnerung an leidvolle Heuschnupfen-Exzesse. Die Geruchswahrnehmung funktioniert wie ein Cocktailshaker: Die Basis bilden die eingeatmeten Moleküle, das Gehirn sortiert und meldet, mixt passende Erinnerungen und erlernte Bewertungsmuster dazu. Dem einen schmeckt es, dem anderen nicht.

Ein Rätsel für die Wissenschaft

Obwohl die Nase mitten im Gesicht sitzt, wir zum Mond reisen können und Daten mit Lichtgeschwindigkeit durch Glasfaserkabel schicken: Das, was da biologisch und chemisch genau zwischen Riechorgan, Nerven und Kopf passiert, ist für die Wissenschaftler dieser Welt immer noch ein Buch mit mindestens sechseinhalb Siegeln. Täglich erwärmt, befeuchtet und reinigt die Nase bis zu 10 000 Liter Atemluft. Und lenkt unser Leben: Sie weckt uns, wenn aus der Küche frischer Kaffeeduft strömt, sie lässt uns anhalten, wenn es im Auto nach verbranntem Plastik riecht und erinnert an die nötige Wäsche, wenn die Achsel muffelt. Sie ist Alarmanlage und Steuermodul in einem.

Meeresbrise und Veilchen funktionieren

Wahrnehmen können wir die Geruchsvielfalt der Umwelt dank 350 verschiedener Riechrezeptoren, die in der Nasenschleimhaut sitzen. Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip docken Geruchsmoleküle an die Rezeptoren, welche wiederum per Stromsignal Meldung ins Gehirn machen. Je stärker diese Meldung, desto größer die Geruchsempfindung. Für welche Moleküle die Rezeptoren bestimmt sind, weiß man bis jetzt nur bei einer guten Handvoll. Meeresbrise ist dabei, Veilchen und Maiglöckchen. Und der bekannte deutsche Geruchsforscher mit den vielen Titeln, Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt, der die ersten Riechrezeptoren entschlüsselte, hat keine Ahnung, wie lange es noch mit den restlichen 345 dauern wird – und ob es überhaupt gelingt.

COSMIA

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“Wenn ich hungere, bleib ich klein”

ESSSTÖRUNG Wenn Mädchen und junge Frauen nichts essen, tun sie das oft aus Angst vor dem Erwachsenwerden, sagt Sozialpädagogin Melanie Rottmann - und erklärt die Gründe, den Verlauf und die Folgen der Magersucht

VON BETTINA LEVECKE

Klar ist: Die öffentlichen Gelder sind knapp. Wenn die Hamburger Gesundheitsbehörde trotzdem 100.000 Euro zur Verfügung stellt, muss es wichtig sein. In fünf Hamburger Bezirken gibt es ab sofort neue Beratungsangebote für Jugendliche mit Essstörungen.

Sie hungern, stopfen wahllos Kuchen und Pommes in sich hinein, erbrechen oder treiben nach dem Essen exzessiv Sport - problematisches Essverhalten bei Jugendlichen gibt es in vielen verschiedenen Formen und Krankheitsgraden. Die aktuellen Forschungsergebnisse des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin liefern bedrückende Zahlen dazu: Fast jedes dritte Mädchen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren zeigt Hinweise auf eine Essstörung, auch jeder zehnte Junge ist betroffen.

“Viele Jugendliche stehen unter einem enormen Druck”, sagt Melanie Rottmann. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin und Abteilungsleiterin des Beratungsangebots sMUTje (Starthilfe für mutige Jugendliche mit Essstörungen) und weiß um die Häufigkeit dieses Problems. Kummer, traumatische Erlebnisse, Jo-Jo-Effekt und Dauerdiät: Die Gründe für die Essstörungen sind so individuell wie die Jugendlichen selbst. In der Summe gibt es aber deutliche Gemeinsamkeiten. “Viele Mädchen wollen dem gängigen Schönheitsideal entsprechen”, sagt Rottmann. “Schön zu sein” sei dabei in den Köpfen vieler Jugendlicher gleichgesetzt mit “dünn sein”. Eine rundliche Figur hingegen gelte als klares Manko. “Wer dick ist, wird auch häufiger ein Opfer von Mobbing, zum Beispiel Schulhofhänseleien”, sagt die Sozialarbeiterin.

Selbst eine normale Figur kann zur Belastung werden, wenn der persönliche Attraktivitätsanspruch die berühmt-berüchtigte “Size Zero” erfordert. “Aus den Beratungsgesprächen wissen wir, dass viele Essstörungen mit einer Diät beginnen”, sagt Rottmann. “In der Zeit der Pubertät vergleichen Jugendliche sich auch stark mit Gleichaltrigen, wollen vielleicht genauso schlank wie die beste Freundin sein.” Sind die ersten Kilos erstmal erfolgreich weggehungert, erleben Mädchen sehr oft Anerkennung und positive Bestätigung von Freunden oder auch aus der Familie: “Wenn die Mädchen merken, dass sie mit dem Abnehmen gut ankommen, kann sich der Prozess schnell verselbständigen.”

Gefährlich wird es vor allem dann, wenn die Diätstrategien immer ausgefeilter werden. “Typisch ist zum Beispiel, dass nach und nach auf immer mehr Lebensmittel verzichtet wird.” Zunächst ist nur die geliebte Schokolade tabu, dann sind es plötzlich alle Süßigkeiten. “Und irgendwann stehen ganz normale und wichtige Lebensmittel, wie Nudeln oder Kartoffeln auf der schwarzen Liste der Magersüchtigen.” Auch vermehrter Sport gehe oft mit einer Essstörung einher, nicht etwa in Form von moderatem Joggen oder Radfahren. “Im fortgeschrittenen Stadium fallen Essgestörte dadurch auf, dass sie gar nicht mehr still sitzen können, regelrecht hyperaktiv sind.”

TAZ

jetzt kommentieren? 24. März 2011

Berufstätige Mütter - Perfektionismus schadet nur

Perfekte Mutter und engagiert im Job – viele Frauen geraten dabei unter Druck. Besser: Erwartungen herunterschrauben und Kompromisse mit dem Partner aushandeln.

Kinder, Karriere oder beides: Theoretisch stehen Frauen heute alle Möglichkeiten offen. Praktisch sind aber viele nicht mit ihrer Wahl zufrieden. Und zwar unabhängig davon, welche Entscheidung sie fällen. Hinter der Dauer-Unzufriedenheit stecken diffuse gesellschaftliche Erwartungen und Überforderung.

Zwar gehören zum Kinderkriegen zwei. Wie es nach der Geburt weitergeht, müssen aber hauptsächlich die Mütter entscheiden: “Trotz Emanzipation und moderner Männer ist die Frage der Vereinbarkeit noch überwiegend Frauensache”, sagt Uta Klein, Soziologin an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

Nur 21 Prozent der Väter nehmen Auszeit fürs Kind

Auch wenn die Elternzeit seit 2007 Vätern einen attraktiven Anreiz zur Babyauszeit gibt, nutzten 2008 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 21 Prozent der Väter diese Option – gegenüber 96 Prozent der Mütter. “Auch Umfragen unter Hochschulabsolventen zeigen, dass es nach wie vor die Frauen sind, die in die Elternzeit gehen”, sagt Klein. “20 Prozent der Absolventinnen sind zehn Jahre nach Abschluss sogar ganz aus dem Berufsleben ausgeschieden.”

Gründe für diese Entscheidungen sind häufig gesellschaftliche Werte. In Deutschland herrschten noch sehr konservative Rollenmuster, so sei zum Beispiel die männliche Erwerbsdominanz nach wie vor sehr präsent. Zudem steckt es hierzulande tief in den Köpfen, dass es die Mutter sein muss, die in den ersten Lebensjahren das Kind betreut.

Deutsche Frauen fühlen sich schnell als “Rabenmutter”

“In Skandinavien ist es hingegen gesellschaftlich akzeptiert, dass auch die öffentliche Kinderbetreuung und der Vater diese Erziehungsaufgaben übernehmen können, während die Mutter arbeitet”, sagt Soziologin Klein. Ein Lebensmodell, mit dem sich deutsche Frauen schwer tun. Wer trotz Baby Vollzeit arbeiten geht, lebt ständig mit dem schlechtem Gewissen der “Rabenmutter”.

Andersrum leiden Frauen, die ihren Beruf aufgegeben haben, unter dem Stigma der “Nur-Hausfrau”. “Und Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, wissen irgendwann nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht”, sagt Klein. Kann man es denn niemals richtig machen?

Heidi Klum ist kein passendes Vorbild

Anscheinend doch: Supermütter wie Modelmama Heidi Klum (vier Kinder) oder Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (sieben Kinder) zeigen, dass Mutterschaft und Karriere keine Antagonisten sein müssen. “Ein Trugschluss”, warnt Elmar Basse, Psychotherapeut aus Hamburg. “Diese Frauen haben einfach genug Geld, um sich einen Hofstaat voller Helfer leisten zu können.”

Doch wie gelingt es der “normalen” Frau, das Leben zwischen Familie und Beruf? “Als erstes müssen Frauen sich klar machen, dass die Vereinbarkeitsfrage auch ihre Partner betrifft”, sagt Basse und empfiehlt Paaren, sich am besten schon vor der Familiengründung Gedanken darüber zu machen.

Auch Väter müssen Verantwortung übernehmen

“Auch Männer sind für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verantwortlich”, findet Uta Klein von der Uni Kiel. Es sollten Teilzeitoptionen und Elternzeit besprochen werden, Haushaltspflichten und Kinderbetreuung: Wer macht was, wann und wie? “Das muss gemeinsam ausgelotet werden.”

Frauen, die unzufrieden sind, sollten sich klar machen, warum: “Oft tragen Frauen ganz diffuse Erwartungen mit sich herum und wissen eigentlich gar nicht, warum sie so mit ihrem gewählten Lebensmodell hadern”, sagt Evelyn Albrecht, Coach und Management-Beraterin in Konstanz.

Mittels einer Ist-/Soll-Analyse könne Klarheit gefunden werden: “Schreiben Sie sich eine Liste mit Ihren Wünschen und Zielen, überlegen Sie Punkt für Punkt, was realistisch ist.” Werden diffuse Erwartungen ins rechte Licht gerückt, entlarven sie sich oft als utopisch. “Manche Frauen glauben, sie könnten direkt nach der Entbindung wieder superschlank und topfit in die Karriere springen und dabei eine perfekte Mutter, Liebhaberin und Köchin sein”, sagt Psychotherapeut Basse.

Hausfrauenehe ist keine Dauerlösung

Coach Evelyn Albrecht rät, mit klarem Blick das Machbare abzuwägen: “Entscheiden Sie sich passend zur jeweiligen Lebensphase für die bestmögliche Lösung.” Wer zugunsten kleiner Kinder eine berufliche Auszeit nimmt, kann trotzdem berufliche Ziele für die Zukunft anpeilen. Wer weiß, dass die Auszeit als Hausfrau kein Dauerzustand ist, kann die Familienzeit viel bewusster und unbelasteter genießen.

Soziologin Uta Klein warnt jedoch vor der Hausfrauenehe als Dauerlösung: “Frauen, die den Beruf aufgeben, rutschen in die finanzielle Abhängigkeit vom Partner.” Das ist nicht nur häufig ein Grund hoher Unzufriedenheit, sondern auch riskant: “Das neue Scheidungsgesetz kann aus Hausfrauen Hartz IV-Empfänger machen”, sagt Albrecht.

Hamburger Abendblatt

jetzt kommentieren? 24. Januar 2011

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