Monatsarchiv für März, 2008

Rush-Hour: Es ballt sich alles in nur wenigen Jahren

In den ersten Berufsjahren ist das Leben noch übersichtlich. Doch dann geht plötzlich alles schnell: Hochzeit, das erste Kind, der Kauf eines Eigenheims, die nächsten Schritte auf der Karriereleiter. Die Kinder wollen Aufmerksamkeit, der Chef fordert Einsatz und der Kredit muss abbezahlt werden. 

“Rush-Hour” nennen Soziologen diese Lebensphase, in der Paare Ende 20 bis Mitte 30 innerhalb kürzester Zeit viele Aufgaben bewältigen müssen. Nicht selten ist das ein enormer Kraftakt.

“Frühere Generationen hatten mehr Zeit, um erwachsen zu werden”, sagt Professor Hans Bertram, Soziologe an der Humboldt-Universität Berlin. So war die heutige Großelterngeneration meist bereits mit 21 oder 22 Jahren fertig mit der Ausbildung und konnte langsam gen Hochzeit und Babywunsch schreiten. Ein Luxus, der lange vorbei ist: “Die jungen Menschen stecken heute viel länger in der Ausbildung und haben im Schnitt nur noch fünf Jahre Zeit, um sich für Partnerschaft und Familie zu entscheiden.” Erst die Ausbildung, dann Berufserfahrungen sammeln und eine Familie gründen - so lautet der Wunsch vieler junger Menschen. Und so geht es Ende 20 bis Mitte 30 hoch her.

Erfolg im Beruf, Kinder, eine glückliche Partnerschaft, Urlaube, finanzielle Sicherheit, Hobbys, das Eigenheim - im Wunsch, möglichst viele der eigenen Ziele umzusetzen, rutschen immer mehr Endzwanziger in Dauer-Stress. Statistiken der Krankenkassen zeigen, dass häufig in der Rush-Hour psychische Erkrankungen wie der Burn-Out entstehen. “Viele müssen irgendwann feststellen, dass sie sich zu viel vorgenommen haben.”

Die jungen Väter stehen oft beruflich unter Druck. Zudem sehen sie sich in der Pflicht, ihre Partnerin bestmöglich zu unterstützen. So wird zum Feierabend das Laptop gegen Babybrei und Wäscheberge getauscht. Bei den Frauen ist die Doppelbelastung häufig noch größer: Nach der Babypause wollen viele schnellstmöglich zurück in den Job, Familien- und Erwerbsarbeit müssen in Einklang gebracht werden. Wer betreut das Kind? Wann wird der Haushalt erledigt? Fragen, die junge Paare im Spagat zwischen Beruf und Familie täglich begleiten.

“Das kann eine enorme Last sein”, sagt Professor Bertram. Vor allem, weil es in Deutschland noch an Unterstützung fehle, die in anderen europäischen Ländern selbstverständlich ist. Flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Ganztagsschulen, Arbeitszeitmodelle für Beruf und Familie: “Hier muss noch viel verbessert werden, damit jungen Paaren das Leben erleichtert wird.”

Doch was können Eltern tun, wenn das Kind auf der Welt ist, das Haus abbezahlt werden muss und der Beruf trotz durchwachter Nächte fordert? “Paare müssen Möglichkeiten suchen, den Stress zu reduzieren”, rät Diplom-Psychologe Thomas Prünte. Oft seien es überzogene Erwartungen an sich selbst oder den anderen, die Probleme schaffen.

Wer im Job täglich überzeugen will, zu Hause sofort zu Wischeimer und Putzlappen greift und dabei noch eine tolle Mutter oder ein super Spielpapa sein will, verlangt Unmenschliches von sich. “Verabschieden Sie sich von dem Anspruch, perfekt zu sein”, rät Beraterin Evelyn Albrecht. Das Chaos auch mal Chaos sein lassen zu können, sei eine Grundvoraussetzung für mehr Gelassenheit.

“Viele sehen das als persönliches Versagen, wenn sich abends das Geschirr in der Küche stapelt”, sagt Prünte. Dabei könnten sie einfach das Licht ausmachen und den Kram liegen lassen. Auch das schlechte Gewissen berufstätiger Eltern gegenüber ihren “fremdbetreuten” Kindern ist Gift für die eigene Zufriedenheit. “Nutzen Sie lieber die wenige Zeit, die Sie für Ihre Kinder haben, intensiv”, rät Albrecht. “Was zählt, ist weniger die Anzahl der Stunden, als die tatsächliche Qualität!”

Entscheidend sind auch Freiräume zur Erholung. Wer glaubt, dafür keine Zeit zu haben, schadet sich selbst. “Für Sport und Freunde muss immer Zeit bleiben, sonst hält das keiner durch”, sagt Prünte. Er empfiehlt Paaren, Spielregeln für den Alltag zu vereinbaren: “Sprechen Sie über Erwartungen und Anforderungen. Finden Sie Kompromisse.” Wer kümmert sich um was? Wie können sich Partner gegenseitig entlasten? Zu diesen Überlegungen gehört auch, weitere Lebensentscheidungen auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen. Egal ob es um ein weiteres Kind oder berufliche Veränderungen geht: “Überlegen Sie genau, ob Sie noch weitere Aufgaben schaffen können”, rät Albrecht.

Babygeschrei in der Nacht und wichtige Geschäftstermine am Tag: Der Spagat zwischen Beruf und Familie bedeutet nicht selten eine Belastung ohne Pause. “Das hält über lange Zeit niemand durch”, warnt Thomas Prünte. Wenn der Kopf nicht mehr abschalten kann, nachts Sorgen den kostbaren Schlaf rauben und eine gereizte Stimmung zum Alltag wird, ist Vorsicht geboten: “Das sind erste Warnsignale einer Überforderung.” Betroffene sollten spätestens dann innehalten und ihren Tagesablauf überdenken. “Versuchen Sie, Ihren Alltag zu entstressen.”


jetzt kommentieren? 07. März 2008

Was tun beim Schlaganfall: Schnelle Hilfe ist wichtig!

Schnelles Handeln ist beim Schlaganfall überlebenswichtig: Fast 200 000 Menschen erleiden jährlich diesen Teilausfall des Gehirns, der durch Blutgerinnsel oder seltener durch geplatzte Adern im Kopf verursacht wird.

Ohne rechtzeitige Behandlung drohen schwerwiegende Folgen. Doch so oder so ist ein Schlaganfall, der auch jüngere Menschen treffen kann, ein Einschnitt ins Leben.

Ein taubes Gefühl in der Hand und verschwommenes Sehen sind häufig die ersten Anzeichen. «Wenn solche Ausfallerscheinungen ganz plötzlich und schmerzfrei auftreten, ist rasches Handeln gefragt», sagt Prof. Christian Gerloff, Neurologe am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf. Die Lähmungsgefühle, Seh- oder Sprachstörungen sollten ernst genommen werden, auch wenn sie nur Minuten dauern.

Gerade die Vorboten eines Schlaganfalls mit nur kurzen Wahrnehmungsveränderungen werden von vielen Betroffenen nicht mit der nötigen Vorsicht behandelt. Eine sogenannte TIA (Transitorisch Ischämische Attacke) gleicht den Symptomen eines Schlaganfalls, bildet sich aber wieder vollständig zurück. Das kurze Taubheitsgefühl in der Hand, das Sehen von Doppelbildern, ein plötzlich auftretender starker Schwindel wird so als Kreislaufschwäche fehlinterpretiert. Doch mehr als ein Drittel der Patienten mit TIA, die sich nicht behandeln lassen, erleiden in der Zukunft einen Schlaganfall.

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jetzt kommentieren? 05. März 2008


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