Monatsarchiv für Dezember, 2008

Immer mehr “Wickelvolontäre”

Mama im Job, Papa am Wickeltisch. Gut jeder siebte frischgebackene Vater hat in Deutschland 2007 die neu eingeführte bezahlte Elternzeit in Anspruch genommen. Und es werden immer mehr.

Elterngeld holt Papas nach Hause

Zwei Jahre lang 300 Euro pro Kind, unabhängig ob Mama oder Papa sich kümmert. Das alte Erziehungszeit-Modell sorgte in Deutschland dennoch für klare Verhältnisse: Bis zum 31. Dezember 2006 wollten oder konnten nur gut zwei Prozent der deutschen Väter eine Jobpause für den Nachwuchs machen. Erziehungszeit war Frauensache, nicht zuletzt, weil Frauen in den meisten Jobs immer noch gut 20 Prozent weniger verdienen als Männer. Dass der Papa zu Hause bleibt, konnten sich viele Familien schlicht nicht leisten.Mit Spannung wurde deshalb der 1. Januar 2007 erwartet. 67 Prozent des Nettogehalts, maximal 1.800 Euro, erhält seitdem der berufstätige Elternteil, der nach der Geburt zu Hause bleibt. 14 Monate, wenn auch der andere zwei zusätzliche Monate wickelt statt arbeitet. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die treibende Kraft hinter dem Gesetz, wollte damit vor allem eins erreichen: Mehr Väter in die Verantwortung ziehen. Parteikollegen, vor allem aus den Reihen der CSU spotteten: „Wir müssen dieses Wickel-Volontariat nicht haben.“

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Oft müsste die ganze Familie auf die Psycho-Couch

Familien wachsen von Generation zu Generation und geben so manches Problem weiter. Die Essstörung der Großmutter ist auch noch beim Enkelkind erkennbar, Ängste oder Zwänge, Suchtneigungen oder der Hang zur Depression – oft sind oder werden Einzelprobleme auch Familienprobleme.

Weitervererbt, mitgetragen oder passiv gefördert: Welche Mechanismen in Familien greifen, können Betroffene selbst kaum begreifen. Ob es solche unbewussten Prozesse gibt – und wie man sie beseitigt –, das kann eine Familientherapie klären.

Ob Bulimie, Panikattacken, Alkoholsucht oder Gewalttätigkeit: „Eine Familientherapie ist anzuraten, wenn ein Familienmitglied über längere Zeit Auffälligkeiten zeigt, die die ganze Familie belasten“, sagt Martin Merbach, Psychologe beim Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin. Leider sei die Hemmschwelle zu diesem Schritt in vielen Familien mit psychischen Problemen und Belastungssituationen sehr hoch. Das gelte vor allem, wenn die Eltern erkrankt sind, sagt Merbach: „Sind die Kinder betroffen, zum Beispiel mit ADHS, gehen Familien viel schneller in eine Beratung.“

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